Bericht über unsere Ausgabestelle in In-und-um-Schweinfurt

https://in-und-um-schweinfurt.de/lokales/in-der-schweinfurter-kreuzstrasse-werden-ab-sofort-gerettete-lebensmittel-fair-verteilt/

In der Schweinfurter Kreuzstraße werden ab sofort gerettete Lebensmittel fair verteilt

SCHWEINFURT – Schon vor der Öffnungszeit um 16 Uhr kommt ein jüngerer Mann mit dem Rad zu dem Laden. So langsam spricht es sich herum, wo lebensmittel-retten + fair-teilen e.V. sein neues Zuhause hat. Genau genommen: Seine Ausgabestelle. Seit Mitte der vorletzten November-Woche in der Kreuzstraße 7 ganz wenige Meter entfernt vom Schweinfurter Hauptbahnhof.

„Kümmerl“ steht noch über der großen Fensterscheibe des Ladens. Mit dem Zusatz „Bäckerei“. Die war da drin mal zuhause, bis sie vor rund zehn Jahren schließen musste. Seitdem diente das Geschäft mit den rund 180 Quadratmetern nur noch als Abstellraum, stand nahezu leer. Nun nicht mehr. Denn der eingetragene Verein verteilt hier nun Montag bis Samstag jeweils von 16 bis 19 Uhr an Bedürftige Lebensmittel, die in anderen Läden nicht mehr verkauft werden.

„Halt!“, werde da nun einige Leser sagen. Das ist ja eine Außenstelle der Schweinfurter Tafel, die am Bergl gar nicht so weit entfernt beheimatet ist. Denn die verteilt ja auch Lebensmittel an finanziell schwach gestellte Menschen und „verkauft“ sie für einen symbolischen Betrag im Laden unweit des Berliner Platzes. Aber die Grundidee der neuen Lebensmittel-Retter war eigentlich eine andere.

„Wenn du nichts änderst, ändert sich nichts!“, heißt es auf Seite eins des Flyers des lebensmittel-retten + fair-teilen e.V.. Die Verschwendung von Lebensmitteln möchte man stoppen. Darum ging´s zunächst, als Birgit Rassbach, Janine Burger und Sabrina Pfennig Anfang 2015 eine Food-Sharing-Ortsgruppe gründeten. Damals berichtete unter anderen inundumsw.de schon folgendermaßen:

Daraus entstand im Sommer 2017 der gemeinnützige Verein, der seine Lebensmittel überwiegend in Bäckereien, türkischen Supermärkten, Tankstellen und Bistros, die belegte Brötchen abgeben, abholt. Das ist ein weiterer Unterschied zur Tafel, die überwiegend ihre Waren von den großen Supermärkten abholen darf. „Wir decken das ab, was die Tafel eben nicht abdecken kann, und sind deshalb keine Konkurrenz“, sagt Birgit Rassbach, die 2. Vorsitzende.

Hier wie da sind es natürlich Lebensmittel, die entweder kurz vor dem Ablauf des Mindest-Haltbarkeitsdatums stehen. Oder die – wie das vor allem viele Obst und Gemüse, das der neue Verein von den Türken bekommt – schon ein klein wenig braun sind wie aktuell die Bananen beim Besuch des Reporters. „Reif und gesund“ sei es, sagt Rassbach und hat damit natürlich Recht. Es kommen sogar schon extra Kunden gerade wegen der schönen weichen Tomaten…

„Absolut tödlich ab“ hieße es eben gerade nicht, wenn auf Konserven ein „Mindestens haltbar bis“ steht. Für eine Betriebskostenpauschale kann jeder Bedürftige per Nachweis so oft er / sie will Lebensmittel mitnehmen, die eben ansonsten auf dem Müll landen würden. 1,50 Euro zahlt ein Erwachsener dann. 3,50 Euro sind es für einen Erwachsenen mit vielen Kindern zuhause. Ein kleines bisschen mehr müssen Kunden auf den Tisch legen, die so gerade über der Grenze der Bedürftigkeit liegen. „Schwellenbedürftige ohne Tafelschein“, nennt man die beim e.V.. 67 Prozent der Waren muss der Verein aber laut Abgabenordnung an die Menschen mit Schein verteilen. Ein kleines Tauschregal für Bücher gibt es übrigens auch.

Sonntagsarbeit stand an. „Bestimmt sieben, acht Wochenenden“ habe man die Ausgabestelle renoviert, vor allem die alte Gipsdecke gestrichen, die mit den genauso alten Lampen noch aus der Bäckerszeit schon wieder fast richtig trendig ausschaut. Regale wurden eingezogen, Kühlschränke aufgestellt. Jetzt ist alles ziemlich fertig. Zumindest im vorderen Bereich. Im großen hintreren Raum muss eine abgestürzte Decke noch renoviert werden. Wenn alles fertig ist, will der Verein vielleicht im Januar 2018 offiziell eröffnen – dann auch mit geladenen Gästen aus der lokalen Politik.

Auch jetzt schon ist an sechs Tagen geöffnet. Was ein weiterer Unterschied zur Tafel ist, die „nur“ fünf Ausgabetage pro Woche hat. 22 Mitglieder zählt der e.V. momentan, dazu kommen um die zehn weitere Helfer. Unlängst erst schaute ein älterer Mann aus der Nachbarschaft vorbei, der sich spontan bereit erklärte, zwei Mal die Woche künftig Gehsteig und Straße vor dem Laden zu kehren. Das sind dann die Momente, wenn den Ehrenamtlichen das Herz aufgeht.

Zuvor übrigens gab Birgit Rassbach mit den Foodsharern die Lebensmittel erst in ihrem Garten und dann zuhause bei sich in einer Garage im Stadtteil Steinberg aus. 20 bis 30 Bedürftige standen da stets vor den Toren, als die Waren noch kostenlos verteilt wurden. Später für 1,50 Euro wurden es ein paar weniger. Um die zehn Leute kamen am Eröffnungstag in der mit Bus und Bahn gut erreichbaren Kreuzstraße. 20 bis 30 Menschen könne man derzeit täglich versorgen, schätzen die Verantwortlichen. Nicht ganz mit dem Angebot der Tafel zwar, dafür aber öfters und ein wenig günstiger. Es gibt eine Warteliste an Läden, die mitmachen wollen, die vom e.V. nach und nach noch aufgenommen werden sollen.

Ein bisschen Probleme gab´s dennoch zum Start: Mit Eduard Endres-Freiherr von Riedheim trat der 1. Vorsitzendes des Vereins zwei Tage vor Öffnung der Ausgabestelle zurück, weil es intern bei einem Arbeitstreffen unterschiedliche Meinungen gab zur Art der Ausgabe der Lebensmittel. Bei einer Abstimmung hieß es dann 19:1 – und der eigentliche erste Mann zog sich tags danach zurück. Nun hat man beschlossen, dass die Waren eben nicht vorab zusammengestellt werden in kleinen Kisten zum mitnehmen, sondern dass sich jeder Kunde das ausuchen kan, was er wirklich haben will.

Mehr unter
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lebensmittel-retten-schweinfurt.lima-city.de/
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Übrigens hat sich lebensmittel-retten + fair-teilen e.V. bei zwei Wettbewerben beworben: „Zu Gut für die Tonne“ (www.zugutfuerdietonne.de/) ist eine Initiative des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft, das Bayerische Gegenstück dazu sind die Lebensmittelretter (www.stmelf.bayern.de/service/presse/pm/2017/169953/).

Na dann: Viel Erfolg und alles Gute für die ehrenamtlich Tätigen in Schweinfurt. inundumsw.de wird ihren Weg begleiten und unterstützen, wo es nur geht.

Auf dem Bild mit den drei Personen – von links: Kassenwart Barbara Walter, der sich um die Einrichtung als „Hausmeister“ kümmernde Andi Ort und 2. Vorsitzende Birgit Rassbach.

2 thoughts on “Bericht über unsere Ausgabestelle in In-und-um-Schweinfurt”

  1. Verstehe nicht warum man ein Bedürftigkeitsausweis braucht, wenn die Grundidee ist, die Lebensmittel von der Tonne zu bewahren? Es gibt so viele Menschen, die Bedürftig sind, aber sich schämen zum Amt zu gehen und Harz 4 zu beantragen, z. B. Rentner, Jugentliche bis 25 und Obdachlose. Ich finde Ihr könnt auf der Spendenbasis es besser machen. Aber so hört sich das nach „Tafel“ an. Es würden nur Leute aus unmittelbarer Nähe kommen. Und wer soll den Lebensmittel spenden? Menschen oder die Läden?

    1. Hallo Anonym
      Leider sind wir durch die Bürokratie in Deutschland gezwungen, den Bedürftigkeitsnachweis zu führen.
      Weil wir uns an $53 Abgabenordnung halten müssen und dementsprechend mindestens 67 % an Bedürftige verteilen müssen um die Gemeinnützigkeit und Steuerbefreiung zu behalten.
      Über die Spendenbasis ist leider keine Finanzierung der Ausgabestelle mit Miete, Strom, Gas, Wasser, Versicherungen usw. möglich.
      Und mit den ganzen Vorschriften der Behörden ist es ohne Ausgabestelle nicht zu schaffen.
      Die Lebensmittel bekommen wir sowohl von Bäckereien, Supermärkten, Tankstellen,… als auch von Privatpersonen.

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